Winterharte Kakteen

Auf unserem Balkon stehen ganzjährig einige winterharte Kakteen. Der Balkon ist nach Südwesten gerichtet und ist somit recht sonnig. Nur ein kleiner Teil ist vom darüberliegenden Balkon überdacht, der größte Teil ist völlig Sonne und Regen ausgesetzt.
Radeburg liegt in der USDA-Klimazone 8a. Das heißt, das mittlere jährliche Minimum liegt bei -12,2° C. Ich habe auf dem Balkon aber schon -18° C gemessen. In einer solchen Nacht können Pflanzen erfrieren, die eigentlich für diese Klimazone gut geeignet sind. Bei Topf- und Kübelpflanzen sind die unterirdischen Teile praktisch den strengen Frösten direkt ausgesetzt, weil der Temperaturpuffer durch den Boden entfällt. Es ist also besser, sich nur Pflanzen anzuschaffen, die aus einer USDA-Region 6b kommen, natürlich auch aus solchen mit noch niedrigeren Minimaltemperaturen.

Im Winter stelle ich die Kakteen in den vor direktem Regen geschützten Teil des Balkons. Die Opuntien, die Winternässe ganz gut vertragen, hängen am Geländer, wo sie manchmal seitlichem Regen oder Schnee ausgesetzt sind.

Die anderen stehen in der äußeren Fensterbank des Wohnzimmers. So bekommen sie nur bei heftigem Sturm ein paar Spritzer oder Flocken ab.


Echinocereus coccineus

Diese Art wird von einigen Autoren als Varietät von Echinocereus triglochidiatus betrachtet.
Mein Exemplar habe ich 2012 gekauft. 2014 hat er zum ersten Mal geblüht. Da hatte der Kaktus schon mehrere Kindel, musste sich aber den Blumentopf noch mit anderen Sukkulenten teilen.

Im Juni 2021 sah er so aus:

Hier nochmal ein Stück näher heran:

Echinocereus coccineus wird als diözisch bezeichnet. Das heißt, männliche und weibliche Blüten sind auf verschiedenen Pflanzen. Nun sieht man auf den Fotos, dass Staubblätter und Narben in allen Blüten vorhanden sind. Die sind also zwittrig. Vermutlich ist hier gemeint, dass eine Befruchtung der Blütennarben mit Pollen derselben Pflanze nicht möglich ist. Auf welche Art das verhindert wird, weiß ich nicht. Ich habe dazu auch nichts googeln können. Es scheint aber zu stimmen. Es ist bei meinem Kaktus noch nie zur Fruchtbildung gekommen. Ich werde mir aber trotzdem kein zweites Exemplar zulegen, zumal man nicht sicher sein kann, dass dieser nicht zum selben Klon gehören würde.


Epithelantha micromeris

Zur Winterhärte dieses Kaktus gibt es verschiedene Angaben. Man findet -20° C, aber auch -5° C. Das hängt sicher auch von der Herkunft ab. Meiner hatte drei Winter überstanden. Aber im vierten Winter ist er eingegangen.
Epithelantha micromeris blüht im Mai. Die Blüte ist recht unscheinbar, klein und blassgelb. Ich habe leider keine gute Aufnahme von der Blüte. Auf dieser hier kann man die Blüte mehr ahnen als sehen.

Sehr auffällig sind dagegen die knallroten Früchte. Die erscheinen schon Ende Juli oder Anfang August.


Winterharte Opuntien

Bei den Opuntien gibt es nicht nur die ursprünglichen Arten, sondern eine Vielzahl von Hybriden, Sorten und ein ziemliches Chaos von Varietäten. Eine exakte botanische Bezeichnung ist oft nicht möglich. Oft steht einfach die Gattung Opuntia und dahinter eine beschreibende Bemerkung wie „fast dornenlos“.
Ich habe mal in einer großen, auf winterharte Kakteen spezialisierte Gärtnerei nach der Blütenfarbe der angebotenen Opuntien-Hybriden gefragt. Die Antwort war: gelb oder violett. Im nichtblühenden Zustand wusste auch der Gärtner die Blütenfarbe nicht.
Aber das macht nichts. Man kauft sich diese Kakteen ja nicht zu wissenschaftlichen Zwecken, sondern als besondere Zierpflanzen.

Opuntia fragilis „Freiberg“

Diese Opuntia macht wirklich einen fragilen Eindruck. Die Glieder (Platykladien) sind nur etwa 2 cm groß und brechen leicht ab. Die Blüten sind rot-violett. Der Kaktus blüht jedes Jahr sehr zuverlässig im Juni.

Opuntia Hybride – stark bedornt

Das stand auf dem Etikett. Die Blüten sind erst hellgelb, wobei der Grund der Blütenblätter rötlich ist. Über 2 bis 3 Tage verfärben sich die Blütenblätter über rosa-gelb zu hell-lachsrot. Bei den anderen Opuntien ist diese Verfärbung anhängig vom Blütenalter nicht zu beobachten.
Das erste Foto zeigt gerade aus der Knospe entfaltete Blüte, das letzte ist das Stadium kurz vor dem Welken der Blütenblätter.

Wie schon eingangs erwähnt, im Winter sind die Opuntien von der Seite Schnee und Regen ausgesetzt.

Opuntia Hybride – fast dornenlos

Diese Opuntie hat zwar wirklich fast keine großen Dornen, aber Glochidien wie auch die anderen Opuntien. Nach dem versehentlichen Anfassen ist der Einsatz einer feinen Pinzette nötig, um diese feinen, mit Widerhaken versehenen Dornen aus der Haut zu ziehen.
Das ist meine größte Opuntie. In voller Blüte ist das schon ein prachtvoller Anblick. Der Topf mit der Pflanze ist aber sehr schwer und lässt sich kaum noch an der Trennwand des Balkons anbringen. Ich werde wohl im nächsten Frühjahr die Pflanze in einen Kunststofftopf umsetzen und vielleicht etwas verkleinern. Für Ampelpflanzen nehme ich gerne Perlite als anorganischen Bestandteil. Das mindert das Gewicht erheblich. Es muss aber eine Deckschicht aus Lavakies oder ähnlichem aufgebracht werden, sonst wird das Perlite weggeweht.

Cylindropuntia whipplei

Die Gattung Cylindropuntia wird oft als Untergattung von Opuntia betrachtet, deshalb führe ich sie hier mit auf.
Dieser Kaktus ist sehr wehrhaft. Das zweite Foto wurde im Winter aufgenommen. Da ist der Kaktus geschrumpft und die Dornen treten noch deutlicher hervor.

Anfangs hatte ich die Cylindopuntia in rein mineralischem Substrat. Das erwies sich als ungünstig. Sie wuchs kaum und blühte nicht. Erst nach dem Umtopfen in Substrat mit ca. 1/5 Humusanteil und kräftiger mineralischer Düngung wuchs die Pflanze ordentlich und begann zu blühen.

Cylindropuntia whipplei soll gegen Winternässe empfindlich sein. Ich habe den Topf deshalb immer im Winter in den regengeschützten Teil des Balkons gestellt. Die Pflanze ist knapp 20 Jahre alt.

Cylindropuntia imbricata

Diesen Kaktus, der als der größte winterharte gilt, hatte ich mir als einen der ersten vor 2005 angeschafft. Er wuchs in einem großen Topf von ca. 10 l. Er wurde über einen Meter hoch und war spärlich verzweigt. Viele der neuen Triebe sind im nächsten Winter an der Spitze schwarz geworden. Es war kein erfreulicher Anblick mehr. Obwohl es sich um die Kulturvarietät (cv.) Uhlig handelte, die als besonders blühwillig gilt, hat dieser Kaktus in den knapp 20 Jahren nicht ein einziges Mal geblüht. Ich habe ihn deshalb im Herbst 2021 entsorgt.
Cylindropuntia imbricata ist wohl für den Balkon nicht geeignet. Ich habe in Radebeul in einem Vorgarten ein riesiges, weit verzweigtes Exemplar gesehen. Das war offenbar ein besserer Standort.


Escobaria – Arten

Da die Gattung Escobaria in den Norden bis nach Kanada vordringt, enthält sie mehrere winterharte Arten bzw. Auslesen. Ich habe davon drei, alle 2015 bei Winter-Kaktus gekauft. Alle drei haben gleich im ersten Jahr geblüht.

Escobaria missouriensis

Die Blüten sind sehr filigran. Die Farbe ist schwer zu beschreiben, so etwas zwischen hellbraun und altrosa.
Blüten im ersten Jahr. Voll aufgeblüht war der Kaktus darunter kaum noch zu sehen.

Nach 5 Jahren ist aus dem Kaktus schon ein kleiner Bestand geworden. Er blüht jedes Jahr. Hier sind neben der neuen Blüte noch die Früchte vom vergangenen Jahr zu sehen.

Hier sind die Staubblätter noch nicht voll entfaltet, sondern noch spiralig angeordnet.

Escobaria orcuttii

Dieser Kaktus vermehrte sich vegetativ gar nicht. Er war ebenfalls sehr blühfreudig.

Nach 5 Jahren war aus der Kugel eine kleine Säule geworden.

Leider begann dieser Escobaria ein paar Wochen nach der letzten Aufnahme zu schrumpfen. Die Wurzeln waren abgestorben. Ich habe den Kaktus quer durchgeschnitten, um den oberen Teil neu zu bewurzeln. Daraus wurde aber nichts. Es waren aber schon die Leitbündel bis fast zur Spitze braun.

Escobaria vivipara

Auch Escobaria vivipara blühte von Anfang an sehr reichlich.

Wie der Artname schon vermuten lässt, bildet diese Art reichlich Kindel. So sah die Art nach 3 Jahren aus:

Zwar ist auch hier der Haupttrieb abgestorben, aber aus einem der Kindel ist wieder eine blühende Pflanze entstanden.


Maihuenia poeppigii

Das ist ein noch sehr ursprünglicher Kaktus, der sogar echte Laubblätter hat. Diese sind allerdings stark sukkulent und stehen schopfartig an der Spitze der einzelnen Triebe.

Hier ist noch eine Aufnahme vom 6. April 2021. Da hatte es noch einmal geschneit und es gab Nachtfrost. So etwas sollte man aber möglichst vermeiden. Maihuenia poeppigii ist zwar sehr gut winterhart, aber nur, wenn der Kaktus im Winter trocken gehalten wird. Diese kleine Winterepisode Anfang April hat der Pflanze aber nicht geschadet.

Dieser Kaktus gilt als sehr blühfaul. Das kann ich bestätigen. Das Exemplar ist ungefähr 10 Jahre alt und hat bisher noch nie geblüht.


Fortsetzung folgt



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