Holzspänekulturen 1:

Lungenseitling (Pleurotus pulmonarius)
Sommerausternseitling „Florida“ (Pleurotus ostreatus)

Körnerbrut
Je 1 Liter Körnerbrut von Shii-Take.de – Pilzbrutversand Krämer

Substrate
1. Buchenspäne (Buchenräucherspäne verschiedener Kalibrierung, Buchenspäne-Einstreu für Terrarien und für Vögel)
Die verschiedenen Kalibrierungen wurden gemischt, so dass ein recht dichtes Substrat entstand.
Es wurden ca. 1800 g (trocken) in eine Mikrofiltertüte gegeben  – mehr geht nicht in den Schnellkochtopf (SKT).
Dazu 3 gehäufte Esslöffel Gips und ca. 3/4 l Wasser.
2. Nußschalen (hauptsächlich Walnuss, höchstens 1/5 Haselnuss)
Dazu 1/4 Buchenräucherspäne (ca. 2×5 mm).
Gips und Wasser wie bei 1.

Substratbehandlung
Die gefüllten Mikrofiltertüten wurden in einen 8-Liter SKT (noch aus der DDR) gegeben, mit Hanfgarn zugebunden und 25 Minuten mit Überdruck gekocht. Die Wärmebehandlungszeit ist wesentlich länger, weil ich die Herdplatte mit dem SKT nach den 25 Minuten nur abgestellt habe.
Es geht auch nicht um vollständiges Sterilisieren, sondern nur um Keimminderung und Beschleunigung des Myzelwachstums (der erwünschten Pilze). Auch sind die Holzspäne so sehr schnell mit Wasser gesättigt.

Beimpfen (11.4.2014)
Für jede Pilzart hatte ich 3 Tüten mit den beschriebenen Holzsubstraten.
Ich habe also für jede Tüte 1/3 Liter Körnerbrut verwendet. Das ist sicher etwas luxuriös. Da das mein erster Versuch mit reinem Holzsubstrat ist, sollte aber nichts an zu sparsamen Einsatz von Körnerbrut scheitern.
Ich habe den Küchentisch  mit 70%igem Äthanol desinfiziert, ebenso meine gründlich gewaschenen und gebürsteten Hände und Unterarme. Auch die Tüten mit dem Substrat und der Pilzbrut habe ich äußerlich desinfiziert. Dann habe ich die Tüten nacheinander geöffnet und mit den Händen je ca. 1/3 der Körnerbrut in eine Tüte gegeben, zerkrümelt und möglichst gleichmäßig untergemischt. Das geschah natürlich für beide Pilzarten getrennt, dazwischen habe ich nochmal alles mit Äthanol desinfiziert. Die beimpften Substrattüten habe ich wieder sehr fest zugebunden. Den überstehenden Zipfel der Tüte habe ich eingeschlagen, so dass dieser Zipfel nicht als Trichter für Kontaminationen wirken kann. Zuschweißen ist sicher besser, weil durch die relativ starke und etwas steife Folie der sterilisierbaren Tüten beim Zubinden ein kleines „Restloch“ unvermeidlich ist.
Die Tüten standen nun bei Raumtemperatur (ca. 20°C).
Geplant war, dass die Kulturen 4 Wochen stehen sollten. Dann sollten sie vollständig durchwachsen sein, hoffte ich.  2 Wochen nach dem Beimpfen bin ich für weitere 2 Wochen verreist.
2 Tage nach der Beimpfung war schon deutlich ein Wachstum von Weißen Myzel zu erkennen, 5 bis 10 mm groß.
Überraschung nach dem Urlaub (12.5.14)
Spontane Fruchtkörper
Knapp 4 Wochen nach dem Beimpfen, nach Rückkehr aus dem Urlaub, überraschte mich ein Teil der Beutel durch recht umfangreiche Fruchtkörperbildung. Bei einem Beutel war beim Verschließen versehentlich eine Öffnung geblieben, daraus wucherte eine Gruppe von Fruchtkörpern des Sommerausternseitlings.
Sommerausterns1
Bei einem weiteren Beutel hatte es ebenfalls ein Sommerausternseitling geschafft, eine kleinere Gruppe Fruchtkörper am Rand des Mikrofilters herauszuquetschen. Das musste schon eine Weile her sein, denn diese Fruchtkörper waren schon lederartig, ringsherum lag weißer Sporenstaub.
Lungens2
Aber auch aus einem Beutel mit Lungenseitling wuchs am Mikrofilter eine Gruppe Fruchtkörper. Diese waren aber nicht voll ausgebildet (niedrige RF), aber durchaus essbar.
Lungens1
Ich habe leider vergessen zu wiegen, es waren aber mit Sicherheit über 500 g insgesamt.
Das Myzel hatte bei den meisten Beuteln noch nicht vollständig auf das Substrat durchwachsen, deshalb habe ich alle Beutel nochmal kräftig geschüttelt und ließ sie nun noch geschlossen stehen. Die Temperatur war etwas über 20°C.
Leider habe ich die Kulturen während der Hitzeperiode 20. bis 23. Mai weiter da stehen lassen, anstatt sie in den Keller zu verfrachten. Das ist den Kulturen nicht gut bekommen. Ich habe alles Anfang Juni in den Keller gebracht, wo es inzwischen ca. 18°C waren. Ich habe Schlitze in die Beuteloberseiten gemacht und erstmal  alles gründlich gewässert, denn die Kulturen fühlten sich recht trocken an. Nach einer Woche begann wieder die Fruchtkörperbildung.
Weil ich nun die Erträge nicht erfasst habe, kann ich keine exakte Auswertung bieten. Ich habe den Eindruck, dass die verschiedenen Substrate nur einen geringen Einfluss auf dei Fruchtbildung haben.
Vom Sommerausternseitling „Florida“ (Pleurotus ostreatus) sind viel mehr Fruchtkörper gewachsen als vom Lungenseitling (Pleurotus pulmonarius). Das kann aber auch nur bedeuten, dass P. ostreatus die „Durststrecke“ besser überstanden hat.
Zur Zeit (21.7.14) sind etwas über 20°C im Keller. Die Kulturen stehen in einer Folienbox, die vorn teilweise geöffnet ist. Die Luftfeuchtigkeit schwankt zwischen 60 und 80%. Ich sprühe die Kulturen täglich ein und versuche durch Variieren der Öffnung halbwegs ordentliche RF-Werte ( > 70%) und gleichzeitig genügend Frischluftzufuhr zu erreichen. Das ist recht schwierig und gelingt nicht vollkommen.
Ich ernte ungefähr jede Woche 500 g und hoffe, dass dies noch eine Weile anhält.
Nachtrag 22.09.14: Das hielt bis Anfang September an, danach wurde es merklich weniger, höchstens noch 250 g pro Woche. Jetzt wachsen nur noch wenige sehr kleine Fruchtkörper heran. In zwei Beutel begann des Substrat von oben her schwarz zu werden,  Pilzmyzel ist in den obersten 3 cm gar nicht mehr zu sehen (mit bloßem Auge), darunter kümmert es. Dadurch fällt das Substrat auseinander. Diese Beutel habe ich heute weggeworfen. In den anderen sind wieder ganz kleine Büschel von Fruchtkörpern sichtbar. Aber auch dort merkt man, dass nicht mehr viel kommen wird. Die Temperatur im Keller ist noch 18°C, das ist also nicht die Ursache.
Demnächst sind die Kulturen des Ulmenseitlings (Hypsizygus ulmarius) soweit, dass ich sie zum Fruchten in den Keller bringe. Da werde ich den Rest der Lungenseitlings- und Sommerausternseitlingskulturen wegwerfen.
Mit den Erträgen kann ich wirklich sehr zufrieden sein.  Auch ökonomisch hat sich das gelohnt, trotz der verschwenderischen Anwendung der Körnerbrut.  Für Körnerbrut und Zubehör habe ich etwa 30 € bezahlt (eher weniger). Dafür hatte ich von Mitte Mai bis Mitte September, also 4 Monate, jede Woche 1 bis 2 Pilzmahlzeiten.



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